
TAGESSEMINAR: Vom Notfallprogramm zum Inneren runden Tisch
Am Donnerstag, 5. November 2026 dürfen wir Dr. Andreas Krüger erneut für einen Seminartag zum Thema „Vom Notfallprogramm zum Inneren runden Tisch“ in Winterthur begrüssen.
Nach der grossen sehr positiven Resonanz auf das Herbst-Seminar 2025 und zahlreichen Nachfragen freuen wir uns sehr auf diesen vertiefenden Seminartag.
Psychische Verletzungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen führen bei extrem schweren, wiederholten Belastungserfahrungen in der frühesten Kindheit (vor allem, wenn diese durch das nahe soziale Umfeld ausgelöst wurden), regelmäßig zu einer komplexen Form der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), schwerwiegenden Bindungsstörungen sowie verschiedenen dissoziativen Störungen. Die Dissoziative Identitätsstörung (DIS) ist hierbei die schwerste Form von Trauma-Folgestörung in diesem Kontext.
„Zerfällt“ das „Ich“ hier (z.T. sichtbar für die Aussenwelt) in unterschiedliche „Anteile“, die den Alltag erleben und „gestalten“, werden bei weniger schweren Formen einer Trauma-Folgestörung dennoch immer wieder Erinnerungssequenzen durch Hinweisreize ausgelöst, die einer „Verwechselung“ im Erleben bestimmter „Anteile“ der aktuellen Situation mit dem früheren Schrecken entsprechen. Ziel des Seminartages ist es, ein tieferes Verständnis für und einen konstruktiven Umgang mit diesen Umständen zu entwickeln.
Bei der Verarbeitung von Traumata ist es nach einer diagnostischen Einschätzung zunächst hilfreich, ein wertschätzendes (Selbst-)Verständnis für Betroffene und ihr soziales Umfeld zu erarbeiten: «Ich bin ok so, völlig normal mit meinen Beeinträchtigungen. Das, was ich erlebt habe, ist nicht ohne „Störung“ zu überleben und „abnormal“. Überdies reagiert meine Psyche und meine Körper „sinnvoll“ im Sinne des Überlebensmodus, in den beide „schalten“.» Im Workshop werden psychoedukative Elemente vorgestellt, die Funktion und Sinn von Trauma-Folgestörungen erklären.
PITT-KID
Anhand eines lebendigen Modells wird in die Ego-State-Idee durch Bildsprach-Elemente eingeführt. Ansätze, mit diesem Modell den Alltag konstruktiv zu gestalten und Störungszeichen von Traumafolgen besser zu bewältigen und einzugrenzen, werden anhand praktischer Übungen, auch im Rollenspiel vorgestellt.
Die naiven Bildspracheelemente der Methode, die komplexes Wissen einfach erklären, eröffnen auch kleinen Kindern und ihren Bezugspersonen einen Zugang zum nötigen Wissen über Trauma-Folgestörungen und eröffnen so gezielt Möglichkeiten, diese zu überwinden.
Im Laufe der Jahre haben sich immer mehr Therapeut/innen und auch erwachsene Betroffene, so z.B. Opfer von schwerwiegenden Beziehungstraumata in der Kindheit, von organisierter pädo-krimineller Gewalt, zu Inhalten der Methode positiv geäussert. Viele, auch erwachsene Betroffene leiden unter erheblichen kognitiven Beeinträchtigungen als Traumafolge. Die lebendige, kindgerechte Bildsprache der PITT-KID spricht kindliche Anteile direkt an und bietet über die vorgestellten „Geschichten“ Wissensinhalte an, die auch bei schwerer Beeinträchtigung einprägsam sein können und die man sich längerfristig „merken“ und so im Alltag anwenden kann.
Die vorgestellte Methode entstand vor über 25 Jahren aus eigenen Erkenntnissen als Kindertherapeut sowie als kreative Weiterentwicklung der Ego-State-Idee von Watkins & Watkins (1999) und in Anlehnung an die Konzeption der Psychodynamisch Imaginativen Traumatherapie (PITT) von Luise Reddemann (2004). Sie wurde erstmals als Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie für Kinder und Jugendliche (PITT-KID, Krüger & Reddemann, 2007, Klett-Cotta) der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Die PITT-KID hat seither eine komplexe Differenzierung, auch für früh-, komplex (bindungs-)traumatisierte Kinder und Jugendliche erfahren. Sie eignet sich für die Akutbehandlung ebenso wir für die Langzeittherapie und hat vielfach Einfluss auf traumapädagogische Konzepte genommen.
Im Seminar wird ein praxisnaher Austausch zu eigenen Erfahrungen möglich sein, auch wenn das Angebot ausdrücklich keinem Selbsterfahrungsangebot entspricht.
Kosten: CHF 240.– (Studentenermässigung 20 %). Im Preis enthalten sind Kaffee, Mittagsimbiss, Snacks und Getränke. Bitte melden Sie sich spätestens bis zum 15. September 2026 an.
Wir freuen uns sehr auf diesen besonderen Seminartag in Winterthur und darauf, gemeinsam Wege zu finden, traumatisierte Menschen achtsam, würdig und mit Hoffnung zu begleiten.


Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!
Ulrich Zwingli, Schweizer Reformator
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