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Interessenvereinigung zur Aufklärung und Vernetzung gegen rituellen Missbrauch und organisierte Gewalt 

Interview mit einer Betroffenen und ihrer Begleiterin

Aktualisiert: 19. Dez. 2022



Wie habt ihr euch kennengelernt?


Begleiterin: Nach einem Aufruf an einer der ersten Weiterbildungen von CARA habe ich mich angesprochen gefühlt und mich für eine Begleitung einer Betroffenen gemeldet. Dies war Ende Dezember 2015 und quasi ein Pilotprojekt.


Betroffene: Wie durch die Vermittlungsperson abgemacht, kam die angekündigte Begleiterin zu mir nach Hause. Anfänglich war ich etwas kritisch, da ich befürchtete, dass sie mich durch ihren beruflichen Hintergrund therapieren oder von oben herab behandeln würde. Ich hatte noch nichts anderes erlebt. Schnell habe ich aber dann gemerkt, dass dies gar nicht der Fall ist.


Begleiterin: Da bin ich sehr froh!



Wie sieht denn die Begleitung bei euch praktisch aus?


Begleiterin: Die Begleitung hat sich in den Jahren verändert und es ist eine Freundschaft daraus gewachsen. Wir haben schon einiges zusammen erlebt und ich unterstütze sie dort, wo es grad am wichtigsten ist. Autofahrten, Erstbegleitung zu Ärzten, Behörden und Beratungsstellen, Unterstützung im Haushalt, Briefe schreiben, Situationen mit Drittpersonen reflektieren/ordnen, etwas auf den Punkt bringen bzw. inneres Durcheinander klären, zügeln, Besuche in der Therapie etc.


Betroffene: Aber am wichtigsten ist es, zusammen etwas Schönes zu machen: Gemütliches Zusammensitzen mit Kaffee und Kuchen, Ausflüge, Minigolf, Geburtstag feiern, schwimmen, fein Essen….


Ja, das geniesse ich auch sehr!

Was ist euch wichtig?


Betroffene: Gegenseitige Augenhöhe. Ehrlich zueinander sein. Auch gegenseitig Nein sagen dürfen und dies akzeptieren können. Sich selber sein dürfen. Vertrauen. Offenheit. Es lustig haben können. Humor ist ganz wichtig!! Ich getraue mich zu fragen, wenn ich froh um etwas wäre. Ich darf Wünsche haben. Wenn etwas triggert darf ich es ansprechen. Ich werde nicht abgelehnt. Möglichst nichts zwischen die Beziehung kommen lassen und Missverständnisse aus dem Weg räumen können.

Begleiterin: Für mich ist es auch wichtig immer wieder meine Motive zu prüfen und etwas nicht aus Mitleid oder Helfersyndrom heraus zu machen. In mich hinein zu hören, was grad dran ist und was nicht, welches meine Bedürfnisse sind, klar sein. Von Herzen etwas zu machen. Möglichst nicht in ähnliche Beziehungsstrukturen zu geraten, wie sie vom Missbrauch bekannt sind.



Was ist eher schwierig?


Betroffene: Trotz einer guten Beziehung immer noch Verlustängste und Scham zu haben, mich nicht zu getrauen, mich sehr einsam zu fühlen. Immer wieder Beziehungen zu verlieren.


Begleiterin: Immer wieder sind grosse Nöte da und Berge türmen sich auf. Meine Unterstützung und meine Zeit sind immer zu wenig. Und doch einfach das anzubieten, was möglich und am Nötigsten ist und damit zufrieden zu sein. Nicht auf ein konstantes Helfernetz zählen zu können und immer wieder Vertrauen aufzubringen, dass eine neue Türe aufgeht. Ihr grosses Leiden, Schmerzen und seltsame Phänomene auf allen Ebenen mitanzusehen und auszuhalten. Mitanzusehen wie andere Menschen ihre Not immer wieder ausnützen und grenzüberschreitend ohne Respekt handeln oder reagieren.


Wofür seid ihr besonders dankbar?


Begleiterin: Dass mein Mann sie auch sehr schätzt und alles mitträgt. Ich hätte nicht gedacht, dass sich alles so positiv entwickelt und Gott mir immer wieder Impulse schenkt. Es gehen immer wieder neue Türen auf. Sie gibt nicht auf, steht immer wieder auf, kämpft weiter und richtet sich die Krone.


Betroffene: Der Glaube an Jesus Christus. Dass ich Jesus in mir habe, auch wenn ich es nicht immer spüre. Ich finde immer wieder den Weg aus Verzweiflung und Tiefs. Ich darf immer wieder etwas Schönes erleben.


Und zum Schluss


Beide: Unser gemeinsamer Wunsch ist, dass noch viele Betroffene gut vernetzt werden und sie eine konstante Begleitung auf dem steinigen Weg in die Freiheit erhalten und eine Zukunft haben, welche sich lohnt.


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