top of page

Interessenvereinigung zur Aufklärung und Vernetzung gegen rituellen Missbrauch und organisierte Gewalt 

Verlust des Handys – und wieder instabil



Am 29.10.2022 wurde unser Handy geklaut. Für viele Menschen ist das „einfach nur“ ärgerlich und vielleicht ist man auch traurig oder verzweifelt dadurch, dass Fotos, Videos etc. verloren gegangen sind. Doch bei uns macht das so viel mehr.

Wir haben geweint, waren/sind verzweifelt und fühlen uns seitdem nur noch ohnmächtig.


Als uns das Handy geklaut wurde, waren wir gerade mit unserer besten Freundin auf dem Weg von der Psychiatrie nach Hause, da wir für ein paar Stunden nach Hause durften. Am Bahnhof und im Zug hatten wir das Handy noch in der Tasche aber am Zielort angekommen, wir wollten auf die Uhr schauen, war es auf einmal weg.


Es ist nicht nur das, dass all die Erinnerungen (Bilder unserer Geschwister zu denen kein Kontakt besteht) verloren gegangen sind und wir diese nie wieder bekommen werden, oder dass auf diesem Handy sehr viele sensible Daten sind (Texte, Dokumentationen von Übergriffen), nein es ist so viel mehr.

Wir sind Überlebende schwerster Gewalt; Gewalt die in der frühsten Kindheit begann und auch heute noch anhält. Wir haben nichts was Beständigkeit hat, was Sicherheit bietet. Wir haben dauerhafte Veränderungen und Veränderung macht Angst und Chaos im Innen. Wir hatten ein Samsung Galaxy S22+, ein Handy für das wir sehr lange gespart haben. Wir bekommen Sozialhilfe-Grundsicherung, da wir aufgrund der langanhaltenden Gewalt viele körperliche und psychische Beeinträchtigungen haben und somit leider nicht in der Lage sind, arbeiten zu gehen.


Mehrere liebe Menschen haben angeboten, uns ein gebrauchtes Handy von sich zu geben, aber das ist für uns nicht möglich. Wir können viele gebrauchte Sachen annehmen (Kleidung kaufen wir fast immer secondhand) aber bei Handys ist dies für uns nicht möglich. Wir brauchen das Vertraute, das was wir hatten, denn es wäre wieder Veränderung und wie oben bereits geschrieben, ist Veränderung für uns etwas ganz Schlimmes - Kontrollverlust.

Wir haben damals, wenn wir denn ein eigenes Handy haben durften, immer das Handy unserer Eltern bekommen, welches natürlich streng überwacht wurde (Ortung, mitlesen von Nachrichten, Überwachung der besuchten Internetseiten etc.). Das ist einer der Gründe warum man keine gebrauchten Handys nutzen kann; zu viele Trigger.


Täglich ist hier die Frage, wie kommen wir jetzt so schnell wie möglich an genau das gleiche Handy wieder? Es kostet knapp über 1000 € und das ist eine Menge Geld, gerade in den heutigen Zeiten. Unser Geld reicht so schon nicht für einen ganzen Monat… Woran denken wir also?


Genau, daran uns zu verkaufen; das ist etwas, was wir kennen und können. Auch wenn das für uns bedeuten würde, dass wir alles, was wir jetzt gerade haben (Helfende, Betreutes Wohnen etc.) verlieren und wir weiter Teil dieses Tätersystems wären.

Warum es genau das gleiche Handy sein muss? Weil es ewig dauert bis alle im Innen verstanden haben, wie es funktioniert, weil es vertraut ist, weil wir nicht schuld daran sind, dass unser Altes geklaut wurde und wir ewig darauf gespart haben… aber das wird niemand nachvollziehen können, der es nicht selbst fühlen kann.


Wir haben überall nach Unterstützung gefragt, doch leider ohne Erfolg. Das Schlimmste an der ganzen Sache ist, dass wir dadurch keine helfende Person erreichen können, wenn irgendetwas sein sollte. Gerade in Anbetracht der kommenden Zeit, die schon jetzt sehr anstrengend ist und es noch mehr wird, macht es wahnsinnig viel Angst.

Wir stellen jetzt eine Anzeige gegen einen Teil des Täterkreises. Dann nicht erreichbar zu sein oder niemanden erreichen zu können sorgt für den Druck, sich verkaufen zu müssen.


Weisse Feder

bottom of page