Interessenvereinigung zur Aufklärung und Vernetzung 
gegen rituellen Missbrauch und organisierte Gewalt 

CARA – Care About Ritual Abuse

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Ihr Lehrer trieb sie in die Prostitution

Es kostete Luzia* viel Kraft, sich als junge Frau von ihrem Lehrer zu lösen. Sie schaffte es nur durch die Flucht in die Arme eines anderen manipulativen Mannes. Erst nachdem die Ehe gescheitert war und Luzia allein mit drei Kindern dastand, begriff sie, welch zerstörerisches Spiel ihr ehemaliger Klassenlehrer mit ihr getrieben hatte.

Aber wer ist sie? Wenn man mit Luzia redet, ist nicht immer klar, von wem sie spricht. Denn die 35-Jährige leidet unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung oder dissoziativen Identitätsstörung, wie Fachleute heute sagen. Die Betroffenen haben mehrere Persönlichkeitsanteile, die in ihrem Leben verschiedene Aufgaben übernehmen. Sie denken und handeln unterschiedlich und wissen meist nichts voneinander.

Diese innere Spaltung wird durch schwere traumatische Erlebnisse in der Kindheit verursacht. Vor mehr als zwanzig Jahren wurde Luzia Opfer von organisierter sexueller Gewalt. Das Ausmass der Misshandlung, so wie Luzia sie schildert, ist so erschreckend, dass man es gern als Einzelfall abtäte. Aber viele Kinder erleben so schwere Misshandlungen, wie Psychiater berichten.


In Luzias Umfeld merkte niemand, in was für ein Netz sie hineingeraten war. Sie wuchs mit drei Geschwistern in einer gutbürgerlichen Familie auf. Die Mutter war aufgrund von gesundheitlichen Problemen oft nicht anwesend und psychisch wenig belastbar. Der Vater war ein unnahbarer und strenger Mann, der mit den Problemen seiner Frau und den Kindern überfordert war. Er habe sich in die Arbeit geflüchtet und sei viel unterwegs gewesen, erinnert sich Luzia. Den Eltern war es sehr wichtig, nach aussen das Bild einer harmonischen Familie zu zeigen. Über Probleme sprach man nicht.

Als Luzia mit sechs Jahren das erste Mal vergewaltigt wurde, gab es niemanden, dem sie sich hätte anvertrauen können. Der fünf Jahre ältere Nachbarsjunge sei für sie wie ein Bruder gewesen, erzählt sie, und wie selbstverständlich bei ihnen ein und aus gegangen. Eines Tages, als die Mutter einkaufen ging, drängte er Luzia in eine Ecke. Er begann sie auszuziehen. «Ich war vor Angst wie erstarrt und bin gefühlsmässig aus mir ausgetreten. Dann habe ich wie von aussen zugeschaut, was der Junge dem Mädchen antut. Als wäre es jemand anderes.»


Artikel in der NZZ vom 29. August 2020 >>